Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik
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Hypersalivation beim Pferd – Slobbers in Deutschland?

10.09.2018

Im Rahmen eines studentischen Forschungsprojekts (VETResearch 2018) läuft in Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik und dem Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit (beteiligt sind Dr. Christoph Gottschalk und Dr. Sebastian Ulrich) eine Untersuchung zur Aufklärung von Krankheitsfällen bei Pferden.
In den letzten zwei Jahren wurden am Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik drei Ausbrüche eines Symptomkomplexes bei Pferden untersucht, wie sie in der langjährigen Beratungspraxis in Bayern bisher unbekannt waren. Die betroffenen Pferde zeigten Hypersalivation, geschwollene, hyperämische Maulschleimhaut sowie teilweise Läsionen an Zahnfleisch und Zunge bei weitgehend ungestörtem Allgemeinbefinden. In allen Fällen wurden die Pferde tierärztlich untersucht und betreut, jedoch konnte keine klinische Ursache für die Symptomatik gefunden werden. Nach Austauschen der Hauptfuttermittel (meist Heu) gingen die Symptome innerhalb eines Tages bis mehrerer Wochen zurück, ohne dass eine spezifische Therapie angewandt wurde.
Als Differentialdiagnose kam das „Slobbers-Syndrom“ infrage, das durch das Mykotoxin Slaframin, gebildet durch den Pilz Rhizoctonia leguminicola, hervorgerufen wird. Laut Literatur befällt dieser Pilz Leguminosen aber auch Gräser, die als Futtermittel verwendet werden können, und kommt aufgrund der Klimabedingungen hauptsächlich in Mittelamerika vor.
In den vorliegenden Fällen wurden verdächtige Futtermittel (Heu, Stroh, Gras, Getreide) zunächst sensorisch und mittels Zelltoxizitätstest untersucht. Es konnten keine eindeutigen Hinweise auf eine Ursache der „Slobbers“-Symptomatik gefunden werden. Eine Untersuchung im Diagnostik-Labor der University of Iowa konnte Slaframin in den untersuchten Heuproben nicht oberhalb der Nachweisgrenze von 10ppm messen. Diese Nachweisgrenze ist allerdings sehr hoch.
Das aktuelle Projekt hat das Ziel, zukünftig auch in Europa die Möglichkeit der Slaframin-Diagnostik zu schaffen und so die Diagnostik in den nächsten Krankheitsfällen zu verbessern.

Da aktuell unklar ist, durch was das in Deutschland offenbar neu auftretende Krankheitsbild bei Pferden verursacht wird, bitten wir Kollegen in der Pferdepraxis, uns von solchen Fällen zu berichten per Mail  slobbers@tiph.vetmed.uni-muenchen.de. Optimal wäre die Sicherstellung und Zusendung einer Futterprobe (z.B. Heu, Gras) aus der Charge, die direkt vor Auftreten der Symptome an alle betroffenen Pferde verfüttert wurde. Auch Fotos und Videos der Symptomatik sind willkommen. Das Problem kann auch bei anderen pflanzenfressenden Tierarten auftreten, in diesem Fall ist eine Kontaktaufnahme ebenfalls erwünscht.
Ansprechpartner: Linda Böswald, Joana Merk slobbers@tiph.vetmed.uni-muenchen.de